04.12.2011

Kuchen & Krümel

In ihrer Internetkolumne in der aktuellen Ausgabe des Merkur beschäftigt sich Kathrin Passig mit dem Zwang zum Dialog. Das Statement in Auszüge:

Wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel Pause

Wenn dieser Text erscheint, wird man ihn zwar im Netz lesen, aber nicht kommentieren können. Sie können sich darüber bei mir beklagen, ich sage dann: »Das ist eben so beim Merkur, ich würde es auch gern ändern.« Das ist gelogen. Ich finde es insgeheim ganz gut so. Wenn jemand nach dem Grund fragt, gebe ich gern an, bei Printerzeugnissen stecke man in einer unangenehmen Übergangszeit. Es gebe zwar schon allerlei Feedbackkanäle, Gedrucktes sei aber nun mal schwer bis gar nicht zu korrigieren. Das berechtige den Autor quasi dazu, die Augen zuzukneifen, denn wenn ich schon nichts ändern kann, dann will ich auch keine Kritik hören. Aber auch das ist nur eine Ausrede. In Wirklichkeit will ich einfach keine Kritik hören, Punkt.

Gleichzeitig verlange ich seit gut fünfzehn Jahren, dass die Welt die neuen Möglichkeiten des Internets nutzen soll, Unternehmen sich dem Dialog mit Kundenstellen und Autoren ihre Texte nicht einfach an der Autobahnraststätte aussetzen. Wenn sich Theorie und Praxis schon in meinem Kopf nur grußlos begegnen, dann tun sie das vermutlich auch in den Köpfen anderer, und tatsächlich ist das Phänomen in einigen Bereichen zu beobachten, nicht nur in der Textbranche: Unternehmen sträuben sich gegen die Wünsche nach mehr Transparenz und Kundenkontakt, die von Berater- wie Verbraucherseite an sie herangetragen werden. Der Staat war beim Versuch, im Netz den »Dialog mit demBürger« aufzunehmen, bisher ungefähr so erfolgreich wie ein durchschnittlich gesprächiger Stein.

Dass man grundsätzlich »im Internet « zu sein hat, ist inzwischen nicht mehr strittig. Der Selbständige verweist darauf, er sei ja schließlich jetzt auch bei Facebook; Unternehmen, Redaktionen und Institutionen deuten auf ihre teuer eingerichteten Kommentarforen. Es geht aber nicht nur darum, eine Kommentarmöglichkeit anzubieten und auf diese Kommentare vielleicht sogar hin und wieder zu reagieren, womöglich sogar nach Feierabend. Es ginge darum, auch einmal anderswo auf Beiträge und Fragen zu antworten, an Diskussionen außerhalb des eigenen Blogs oder Facebookstreams teilzunehmen, generell im Netz ansprechbar und anwesend zu sein, anstatt nur Statements abzusondern.

Man kann als Unternehmen wie als Einzelperson im Netz aktiv sein, ohne in irgendeinen produktiven Austausch mit anderen einzutreten. Die Grenze verläuft nicht zwischen Offline- und Netzkultur, zwischen analog und digital oder zwischen Journalisten und Bloggern, sondern zwischen Durchsage und Dialog.

…….

Wenn Sie den Text lesen, ist es zu spät für Korrekturen, Einwände und Ergänzungen. Ich kann nicht versprechen, dass ich es beim nächsten Mal anders machen werde. Aber immerhin ist mir klar, dass mein Widerwille nichts mit irgendwelchen Defiziten des Internets zu tun hat, mit Zeitmangel oder praktischen Erwägungen. Er entspringt allein meinem Unbehagen darüber, dass schlauere Menschen als ich existieren, und ich habe vor, mir in Zukunft andere Bewältigungsmechanismen zuzulegen. Alkohol wäre vielleicht eine Möglichkeit.

Der kompletten Text können Sie hier  nachlesen.

Mehr zu Kathrin Passig hier. Auf dem Kulturpolitischen Bundeskongress diskutierte sie in Forum 1 überSlow Media – Speed Media. Kulturen digitaler Kommunikation“


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