13.05.2011

Global regional

Das Internet und die digitalen Medien verändern unseren Alltag. In der Wohnung sind Bücherregale zunehmend out, weil die digitale Bibliothek mindestens teilweise das Papier verdrängt. Sogar der Eschtisch soll aus der Mode kommen, weil Digital Natives mur noch nebenbei essen, wie eben eine Studie aus den USA nahelegt. An die Stelle des mehr oder weniger familiären Miteinanders beim Abendessen ist das Essen nebenbei getreten, die mediale Kommunikation via Smartphone oder PC ersetzt das Gespräch face to face, im Netz gesurft wird dabei sowieso. „Die Nahrungsaufnahme ist nur eine von unterschiedlichsten Aktivitäten, die gleichzeitig erledigt werden“, sagt die Autorin Madeline Varno. Multitasking ist heutzutage sowieso im Trend. Nun haben sich die überkommenen Lebenswelten hierzulande durch das World Wide Web noch nicht so weit verändert. Die Mehrheit der Deutschen nimmt ihr Abendessen noch regelmäßig im Kreis ihrer Lieben ein, das Interesse an Informationen zur und aus der unmittelbaren regionalen und lokalen Umgebung ist nachwievor vergleichsweise hoch – das betrifft sowohl das eigene Wohnumfeld und die Stadt oder Gemeinde, in der man lebt. Auch die Arbeit, die Mobilitätsbedingungen, die Freizeit und natürlich das Wetter. Nach einer aktuellen Umfrage interessiert sich fast jeder zweite „sehr“ für „Ereignisse aus dem Ort, in dem er lebt“. Für ein gutes Drittel ist die nähere Umgebung des lokalen Lebensmittelpunkts „sehr interessant“. Ereignisse und Vorgänge auf überregionaler Ebene sind dagegen nur für ein gutes Viertel der Befragten „sehr“ relevant. Bei der Informationsbeschaffung gewinnt das Internet an Bedeutung. Das Internet bewegt sich ständig zwischen Globalität und Regionalität, schreiben Ekkehardt Oehmichen und Christian Schröter zum  Thema, auch wenn es vor allem „als weltumspannendes Informations- und Kommunikationsnetz“ wahrgenommen wird und sich „als mediale Universalplattform über den ganzen Globus“ ausbreitet: „Dies bedeutet aber auch, dass sich das Internet zunehmend in kleinen geografischen Räumen, in Regionen, Städten und Gemeinden verankert. Gemeint ist damit nicht nur der Anschluss des äußersten Weltwinkels an das globale Netz, sondern auch die Verdichtung der digitalen Informations- und Interaktionsbeziehungen in den Nahräumen selbst.“

Lokales Internet

Für Städte und Gemeinden ist das Internet seit langem Thema. Mittlerweile verfügen fast alle Städte über eigene Websites (stadtname.de) oder haben ihre Domain an interessierte – häufig lokale Presse- und Verlagshäuser - verkauft. Die Debatten über das Internet und Kultur werden auch von Netzwerken europäischer Städte wie EUROCITIES getragen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl privater Anbieter, die Tipps, Trends und Infos. In der medienwissenschaftlichen Diskussion scheint die „Bedeutung des Internets als lokales oder regionales Medium bislang noch relativ wenig wahrgenommen und diskutiert“ zu werden, meinen Oehmichen/Schröter: „ Allenfalls wird das Internet als neuer Wettbewerber im Feld der vorhandenen lokalen bzw. regionalen Informations- und Kommunikationsmedien beobachtet. Der fortschreitende Prozess der Veralltäglichung der Internetnutzung wird den Stellenwert des neuen Mediums gerade im Regionalen und Lokalen verstärken. Je mehr das Internet in allen seinen funktionalen Facetten den privaten Alltag durchdringt und sich über die professionell-berufliche Anwendungssphäre der Anfangsjahre hinaus entwickelt, umso interessanter werden auch seine Informations- und Kommunikationsangebote im lokalen oder regionalen Raum.“

Dabei ordnen die Nutzer aktuelle Service-Angebote etwa zu Wetter und Verkehr, Freizeitinformationen und Veranstaltungstipps ganz allgemein Informationen aus dem Kulturbereich überwiegend dem regionalen Feld zu. Schon heute nutzt jeder Zweite das Netz für diese Infos. Onlineinformationen aus dem Kulturbereich wie Literatur, Musik, Film und Theater wurden dabei von 37 Prozent regelmäßig abgefragt. Als Fazit notieren Oehmichen/Schröter: „Lokale und regionale Räume bilden den Rahmen, innerhalb dessen sich die vitalsten Bedürfnisse und Interessen des alltäglichen Lebens der meisten Menschen äußern und Befriedigung finden. Instrumente der Orientierung in diesen Räumen sind daher von elementarer Bedeutung. Onlineangebote mit lokalem und regionalem Bezug erlangen vor diesem Hintergrund einen wachsenden Stellenwert. Die besondere Attraktivität des Mediums Internet, Informationen und Kommunikationszugänge zu jeder Zeit verfügbar zu halten, spielt natürlich auch hier eine wichtige Rolle. Regionale Onlineangebote stehen dabei in erster Linie in einem Ergänzungs- und Komplementärverhältnis zu den Service- und Informationsleistungen der anderen Regionalmedien. Sie verdichten die regionalen Kommunikationsflüsse, verbessern den Grad der Informiertheit und der Einbindung der Nutzer. Der Wettbewerb durch die regionalen Onlineangebote beschränkt sich allerdings nicht nur auf den Printsektor. Auch die regionalen Radio- und Fernsehangebote müssen sich dieser neuen Konkurrenz stellen. Die skizzierten Beispiele der Rhein-Zeitung sowie des WDR zeigen, welche Anstrengungen aktuell unternommen werden.“

Die Untersuchung „Internet zwischen Globalität und Regionalität - Die Bedeutung der Region für das Internet“ von Ekkehardt Oehmichen und Christian Schröter als Download

Dazu ein Bericht über die wachsende Bedeutung von Location based Services und "Geo-Dienstes des Local Web"

 

Der Kulturpolitische Bundeskongress befasst sich in Forum 4 mit dem Thema „Kulturarbeit und Lebenswelt“ in digitalen Zeiten. Unter dem Titel „Verloren oder zu Hause im Netz“ diskutieren Heiner Keupp, Ludwig-Maximilian-Universität München und Claudia Wegener, Hochschule für Film und Fernsehen »Konrad Wolf«, Potsdam. Die Moderation liegt bei Wolfgang Zacharias, Pädagogische Aktion/Spielkultur e.V., München


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Anmerkungen und Fragen aus der analogen Welt zum 6. Kulturpoli- tischen Bundeskongress 2011 »netz.macht.kultur« von Norbert Sievers weiterlesen[Internal]


 

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