28.02.2011

Digitales Gedächtnis der Kulturen

Bereits heute eröffnet das europäische Portal Europeana Zugang zu über über 15 Millionen digitalisierten Büchern, Landkarten, Fotografien, Filmen, Gemälden und Musikstücken. Allenfalls ein Anfang, meint der „Ausschuss der  Weisen" , der sich im Auftrag derEuropäischen Kommission mit den Perspektiven der digitalen Sicherung des Kulturellen Erbes und von wissenschaftlichen Informationen auseinandergesetzt hat. Ihm gehören Maurice Lévy (Chairman und CEO des französischen Werbe- und Kommunikationsunternehmens Publicis), Elisabeth Niggemann (Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek und Vorsitzende der Stiftung für die Europäische Digitale Bibliothek) sowie Jacques De Decker (Schriftsteller und Ständiger Sekretär der belgischen Königlichen Akademie der französischen Sprache und Literatur) an.

Der Ausschuss hat seinem Bericht den Titel „Die neue Renaissance“ gegeben. Im Einzelnen empfehlen die Autoren u.a.:

  • Das Portal Europeana sollte zum zentralen Bezugspunkt für das kulturelle Erbe Europas im Netz werden. Die Mitgliedstaaten sollen sicherstellen, dass alle öffentlich geförderten digitalisierten Materialien über diese Internetseite zugänglich und bis 2016 auch eingestellt sind.
  • Urheberrechtlich geschützte Werke, die nicht länger gewerblich vertrieben werden, sollen digitalisiert und online verfügbar gemacht werden. Falls die Rechteinhaber dies nicht tun, müssen Kultureinrichtungen die Möglichkeit haben, das Material gegen eine Vergütung zu digitalisieren und es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
  • Die EU muss so schnell wie möglich Regeln für verwaiste Werke aufstellen.
  • Die Mitgliedstaaten müssen ihre Mittel für die Digitalisierung erheblich aufstocken, um Arbeitsplätze zu schaffen und künftiges Wachstum zu fördern.
  • Öffentlich-private Partnerschaften für die Digitalisierung sind zu fördern. Sie müssen transparent, nichtausschließlich und gegenüber allen Partnern gerecht sein und grenzübergreifenden Zugang zu digitalisierten Materialien für alle schaffen.
  • Um die Erhaltung von Sammlungen in digitalisierter Form zu gewährleisten, sollte eine zweite Kopie dieser Kulturgüter bei Europeana archiviert werden. Außerdem sollte ein System entwickelt werden, bei dem kulturelles Material, das derzeit in mehreren Ländern deponiert werden muss, nur einmal zu deponieren ist.

Nach Berechnungen des Ausschusses würde die Digitalisierung aller in den Bibliotheken der EU vorhandenen Bücher oder aller Audio-Inhalte der Kultureinrichtungen der EU-Mitgliedstaaten so viel Kosten wie der Bau einer 625 km-langen Straße – kein Betrag im Vergleich zu den Summen, die für die Rettung von Pleite-Banken ausgegeben werden.

 Digitales Erinnern

Das Statement der „Weisen“ ist einer der zahlreichen Beiträge in der Debatte um die digitalen Aufgaben der Kulturpolitik. Im deutschen Kulturbereich kümmert sich etwa EUBAM (eine interministerielle Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu Europäischen Angelegenheiten für Bibliotheken, Archive, Museen und Denkmalpflege) um den Aufbau einer digitalen Informationsplattform. Mit  kulturerbe-digital.de soll eine Gesamtübersicht für den deutschen Kulturbereich geschaffen werden.

Auch auf dem 5. Kulturpolitischen Bundeskongress Geschichte-Macht-Kultur war die Digitalisierung bereits Thema. Erik Meyer hat dazu unter dem Titel  "Die Zukunft der Erinnerung ist digital" bemerkt: „Digitale Medien prägen nicht nur die Gegenwart gesellschaftlicher Kommunikation, sie bestimmen zunehmend unser Verständnis der Vergangenheit und begründen neue Formen von Geschichtsvermittlung und Opfergedenken. Während die kulturwissenschaftliche Forschung zur medialen Repräsentation von Vergangenheit vor allem die inzwischen „klassischen“ elektronischen Massenmedien wie das Fernsehen und „konventionelle“ Bildmedien wie Fotografie und Film fokussiert, stellt die Digitalisierung eine weitergehende Dimension dar.“ Der Einsatz digitaler Medien – etwa zur Aufzeichnung von Interviews mit Zeitzeugen – ist mittlerweile fester Bestandteil historischer Forschung. Unter diesem Aspekt geht es nicht nur beim Thema „Digitales Gedächtnis“ nicht nur um die technische Konservierung kultureller Erbschaften, sondern auch um Veränderungen im Bereich der historischen Forschung.

Ein Thema für Forum 5

Im Rahmen des sechsten Kulturpolitischen Bundeskongresses soll das Thema von Forum 5 von Interessierten und Kongressteilnehmern festgelegt werden. Bis zum 15. April stehen drei Themen zur Wahl:

A.      Kollektive Intelligenz: Amateurkult oder Schwarmintelligenz. Mehr 

B.      Crowdfunding. Finanzierungsangebote aus dem Netz

C.      Die Digitalisierung des Kulturellen Erbes

Mailen Sie uns hier das Thema Ihrer Wahl bis spätestens zum 15.April. Und wenn Sie kompetente Referenten kennen, schreiben Sie die Namen gleich dazu. Wir teilen Ihnen das Ergebnis des Votings mit und werden uns dann um Referenten und Diskutanten für das Forum Ihrer Wahl bemühen.

Das gesamte Kongressprogramm finden Sie hier


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