02.02.2011

Über Zeitgenossenschaft

Inke Arns

Eines der interessantesten Projekte aus dem Bereich der sogenannten Biotech-Art, das zur ars electronica 2007 eingeladen war und dort in der Kategorie Hybrid Art ausgezeichnet wurde, war die Installation Cloaca des belgischen Künstlers Wim Delvoye (s. Foto S. 43). Seit 2000 arbeitet Delvoye an der Entwicklung immer komplexerer Maschinen, die den menschlichen Verdauungsprozess simulieren.

Cloaca wandelt Lebensmittel, die an einem Ende der Maschine hineingegeben werden, in menschliche Exkremente um. Die Installation ist ein nicht nur olfaktorisch, sondern ein auch in seiner akribisch-technischen Umsetzung überzeugender, ätzender Kommentar unseres Glaubens an technische Machbarkeit – in der Medienkunst wie in der Biotechnologie – und in der so genannten Biotech Art. Mit ihrem unver-hohlenen Daseinszweck – nämlich »Gold« in Scheiße zu verwandeln – erfüllt Cloaca den ersten und wichtigsten Leitsatz des Media Arts and Crafts Manifesto: »Because it’s possible«.

Neben dem strengen Geruch, der den Cloaca-Ausstellungsraum im Offenen Kulturhaus Oberösterreich in Linz erfüllte, gibt jedoch noch eine weitere Tatsache zu denken: Hier wurde die Arbeit eines Künstlers ausgezeichnet, der sich als bildender Künstler im Bereich der zeitgenössischen Kunst einen Namen gemacht hatte. Die prominente Teilnahme dieses Künstlers an der ars electronica, dem weltweit wichtigsten Festival für Medienkunst, scheint symptomatisch für die globale Veränderung des gesamten Bereiches der Medienkunst zu sein. Hier haben im letzten Jahrzehnt große tektonische Verschiebungen stattgefunden, die das Feld der Medienkunst radikal verändert und erweitert haben. Wurde in den 1990er-Jahren insbesondere im Kontext der Netzkunst aktiv gegen die großen Maschinenparks raumgreifender Installationen »interaktiver Kunst« gewettert – böse Zungen sprachen von so genannter »ZKM«-Kunst3, deren selbst gesuchte Nähe zur Medienindustrie kein gutes Licht auf die Medienkunst insgesamt warf –, so ist die Situation der Medienkunst heute durch allgemeine Entspannung gekennzeichnet. Das hat einerseits damit zu tun, dass es den großen Gegner – der, so einige Kommentatoren, die Medienkunst zu reiner Interface-Entwicklung degradierte – in dieser Form nicht mehr gibt. Nicht nur ist die interaktive Medienkunst der 1990er-Jahre Geschichte, auch scheint die Phase der selbstreflexiven Auseinandersetzung mit den medienspezifischen Eigenschaften und Ästhetiken digitaler Medien im Sinne eines extensiven Auslotens der technischen Möglichkeiten heute abgeschlossen zu sein. Darüber hinaus hat sich das Feld der Medienkunst grundlegend verändert. Medienkunst umfasst heute einen weiten Bereich von Techniken, Strategien, Medien und Praxen, bei denen die technischen Medien selber oft in den Hintergrund treten. Daher wird manchmal von der sogenannten »postmedialen Kondition« gesprochen.

Den gesamten Beitrag hier

Dr. Inke Arns ist künstlerische Leiterin des Hartware MedienKunst-Vereins,Dortmund.

 

 

 

 


02.02.2011

Kulturpolitik in der digitalen Gesellschaft

Anmerkungen und Fragen aus der analogen Welt zum 6. Kulturpoli- tischen Bundeskongress 2011 »netz.macht.kultur« von Norbert Sievers weiterlesen[Internal]


 

 

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