Newsletter #01

16. Februar 2011

6.Kulturpolitischer Bundeskongress "netz.macht.kultur"

Die Kulturpolitische Gesellschaft informiert:

Der 6. Kulturpolitische Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. und der Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit dem Medienboard Berlin-Brandenburg widmet sich am 9. und 10. Juni 2011 in Berlin der „Kulturpolitik in Zeiten der Digitalisierung“. Dabei stehen Grundfragen der Kulturpolitik auf der Tagesordnung. Es geht um eine Neudefinition zentraler Codes der modernen Zivilgesellschaften wie Freiheit, Kultur, Eigentum, Muße, Privatheit und Öffentlichkeit. Und  es geht um neue Formen der kulturellen Teilhabe und die Frage, ob traditionelle Formen von Partizipation und Präsentation verschwinden. Informationen zum Kongress hier

 

Das Zitat

„Gelingt es nicht, mehr selbstorganisierte Nutzungsformen im Internet zu entwickeln, wird die digitale Allmende zu einem schönen Traum demokratisierter Kommunikation, geträumt im Rückblick auf eine vergebene Chance.“, prognostiziert die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel. „Dann wird der - einst positiv gemeinte - Satz des Netzgurus Howard Rheingold wahr, er werde von seiner virtuellen Community „kolonialisiert“. Nur dass es nicht mehr die eigene Community ist, sondern ein fremder, kommerzieller Gatekeeper, der längst bereitsteht. Es werden dann die Gärtner der hübsch umzäunten und streng kuratierten Schrebergärtchen im Netz sein, wie sie Apple, Amazon oder Netflix anlegen, die das Internet dominieren. Sie werden uns Nutzer mit den Folgen der Tragödie der Allmende aus dem einst freien Netz in ein virtuelles Disneyland locken. Dort ist alles grün, hübsch, sauber, massentauglich und teuer.“

 

netz.macht.kultur

Am 9./10.Juni 2011 widmet sich der 6. Kulturpolitischen Bundeskongress Themen rund um „netz.macht.kultur. Kulturpolitik in der digitalen Gesellschaft“. Zu den Referenten in Berlin gehören u.a die Sozialwissenschaftler Gerhard Schulze und Geert Lovink, die Blogger Mercedes Bunz und Markus Beckedahl, Film- und Spiele-Expertinnen wie Claudia Wegener und Karin Wenz, Kulturmanager wie Armin Klein und Tim Renner, Fachleute für Urheberrechtsfragen wie Jeanette Hofmann, Volker Grassmuck oder Oliver Castendyk. Staatsminister Bernd Neumann, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, wird die Tagung eröffnen. Der Kongress wird von der Kulturpolitischen Gesellschaft (KuPoGe) und der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) in Kooperation mit dem Medienboard Berlin Brandenburg organisiert.

„Auf der Tagesordnung steht die Frage nach einer digitalen und nachhaltigen Kulturpolitik“, so KuPoGe-Präsident Oliver Scheytt. Es gelte, „Ideen dafür zu entwickeln, wie künftig der Auftrag der kulturellen Vielfalt und kultureller Teilhabe in einer digitalen Kulturgesellschaft erfüllt und gestaltet werden soll.“ Selten habe es eine größere Herausforderung für die Kulturpolitik gegeben. Auch der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, sieht neue Chancen für die Teilhabe der Menschen: „Jeder ist gleichzeitig Konsument und Produzent. Jeder kann auch senden, initiieren, sich engagieren und einmischen. “ Mehr zum Kongressprogramm hier 

 

Kulturpolitik in der digitalen Gesellschaft

Inhalt, Rhetorik und Vehemenz der Auseinandersetzung über die Folgen der digitalen Revolution tragen fast schon die Züge eines Kulturkampfes, meint Norbert Sievers: „Die zunehmend mobile digitale Kommunikation und ihre Infrastruktur revolutionieren die gesellschaftlichen Beziehungen und stellen überkommene kulturelle Traditionen, alltägliche Routinen, ökonomische Geschäftsmodelle sowie gesellschaftliche Ordnungs- und Rechtsvorstellungen in Frage. Grundlegende Begriffe wie Freiheit, Eigentum, Privatheit und Öffentlichkeit, in denen die kulturellen Wertvorstellungen der modernen Zivilisation kodiert wurden, stehen auf dem Prüfstand.“ Optimisten verbinden mit dem Netz einen Zugewinn an Freiheit und politischer Beteiligung, Skeptiker warnen vor dem »gläsernen Menschen«, vor »digitaler Überforderung« und der Auswanderung ins Internet«. Die einen preisen Kooperation, Kollaboration, »Crowdsourcing« und Enthierarchisierung als neue Prinzipien der Partizipations- und Wissensgesellschaft an, die anderen rümpfen über die »Weisheit der Massen«, Schwarm-Intelligenz« und den Amateurkult die Nase. Mehr hier

 

Über Zeitgenossenschaft

Eines der interessantesten Projekte aus dem Bereich der sogenannten Biotech-Art, das zur ars electronica 2007 eingeladen war und dort in der Kategorie Hybrid Art ausgezeichnet wurde, war die Installation Cloaca des belgischen Künstlers Wim Delvoye. Die Installation ist ein nicht nur olfaktorisch, sondern ein auch in seiner akribisch-technischen Umsetzung überzeugender, ätzender Kommentar unseres Glaubens an technische Machbarkeit. „Mit ihrem unverhohlenen Daseinszweck – nämlich »Gold« in Scheiße zu verwandeln – erfüllt Cloaca den ersten und wichtigsten Leitsatz des Media Arts and Crafts Manifesto: »Because it’s possible«“, notiert Inke Arns und fährt fort: „Wurde in den 1990er-Jahren insbesondere im Kontext der Netzkunst aktiv gegen die großen Maschinenparks raumgreifender Installationen »interaktiver Kunst« gewettert – böse Zungen sprachen von so genannter »ZKM«-Kunst3, deren selbst gesuchte Nähe zur Medienindustrie kein gutes Licht auf die Medienkunst insgesamt warf –, so ist die Situation der Medienkunst heute durch allgemeine Entspannung gekennzeichnet. Das hat einerseits damit zu tun, dass es den großen Gegner – der, so einige Kommentatoren, die Medienkunst zu reiner Interface-Entwicklung degradierte – in dieser Form nicht mehr gibt.“ Und: Das Feld der Medienkunst hat sich grundlegend verändert. Sie umfasst heute einen weiten Bereich von Techniken, Strategien, Medien und Praxen, bei denen die technischen Medien selber oft in den Hintergrund treten. Mehr hier

 

Digitalisierung des Alltags (1): Was ist Pervasive Computing?

Geschwindigkeit ist in digitalen Zeiten keine Hexerei. Wir werden uns in unregelmäßigen Abständen der „Digitalisierung des Alltags“ widmen und dabei auch dokumentieren, wann welche Prognose dazu abgegeben wurden. Zum Auftakt etwas über „Pervasive Computing“. Friedemann Mattern und Marc Langheinrich machten sie 2003 darüber ihre Gedanken: „Am 4. April 2003 sah sich der Modehersteller Benetton genötigt, mit einer Pressemitteilung eine schnell eskalierende Situation zu entschärfen: So seien bisher noch keine elektronischen "smart labels" in Benetton-Artikel integriert, ebenso wenig habe das Unternehmen schon endgültig über einen zukünftigen Einsatz dieser Technologie entschieden.“ Heute sind elektronische Etiketten (und Diebstahlssicherungen) eine Selbstverständlichkeit. Damals gab es einen „unerwarteten medialen Sturm der Entrüstung“ über sie. Mehr hier

 

Kurz&Knapp

Es gibt einen weiteren Gesetzesentwurf zur Digitalisierung vergriffener und verwaister Werke. Das Abschalten des Internets im Januar/Februar kostete das ägyptische Regime 90 Millionen US-Dollars. Der Philosoph Boris Groys meint, die Zeit der Eliten sei vorbei. Das slow media Manifest konstatiert völlig zu Recht: „Im zweiten Jahrzehnt des Jahrhunderts wird es weniger darum gehen, neue Technologien zu finden, die das Produzieren von Inhalten noch leichter, schneller und kostengünstiger gestalten. Stattdessen wird es darum gehen, angemessene Reaktionen auf diese Medienrevolution zu entwickeln – sie politisch, kulturell und gesellschaftlich zu integrieren und konstruktiv zu nutzen.“ „eBooks auf dem iPhone sind weit mehr als ein Hype - die Kategorie "Bücher" ist die zweitbeliebteste Kategorie im App Store“, meint Volker Oppmann. Und „Smart Cities“ schlagen die Brücke zwischen Stadtverwaltungen, Wissenschaft und wirtschaftlich relevantem Wissen und entsprechenden Technologien. Mehr hier

 

 

 

Weitere Informationen unter

Kulturpolitische Gesellschaft http://www.kupoge.de/

6. Kulturpolitischer Bundeskongress "netz.macht.kultur.de"

Impressum:
Herausgeber: Kulturpolitische Gesellschaft e.V.
Weberstr. 59a,
53113 Bonn
Tel.: 0228 / 201 67-0 - Fax: 0228 / 201 67 33
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Redaktion: Wolfgang Hippe (V.i.S.d.P.),
A.R.T Agentur für Recherche und Text
wolfgang.hippe@koeln.de

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