Pressemitteilung #01

17. Februar 2011

6.Kulturpolitischer Bundeskongress "netz.macht.kultur"


6. Kulturpolitischer Bundeskongress

„netz.macht.kultur. Kulturpolitik in der digitalen Gesellschaft“

in Berlin

Am 9./10.Juni 2011 widmet sich der 6. Kulturpolitische Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft und der Bundeszentrale für politische Bildung dem Thema „netz.macht.kultur. Kulturpolitik in der digitalen Gesellschaft“. Staatsminister Bernd Neumann, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, wird die Tagung eröffnen. Zu den Referenten in Berlin gehören u.a die Sozialwissenschaftler Gerhard Schulze und Geert Lovink, die Blogger Mercedes Bunz und Markus Beckedahl, MedienwissenschaftlerInnen und Spiele-Expertinnen wie Claudia Wegener und Karin Wenz, Kulturmanager wie Armin Klein und Tim Renner, Fachleute für Urheberrechtsfragen wie Jeanette Hofmann, Volker Grassmuck oder Oliver Castendyk.

Wir leben seit gut zwei Jahrzehnten in einer digitalen Gesellschaft, deren Rhythmus sich mehr und mehr zu beschleunigen scheint. Die mobile digitale Kommunikation revolutioniert den gesellschaftlichen Austausch und stellt bisher gültige Ordnungs- und Rechtsvorstellungen in Frage. Zentrale Codes der modernen Zivilgesellschaften wie Freiheit, Eigentum, Muße, Privatheit und Öffentlichkeit stehen auf dem Prüfstand. Welche neuen Formen der gesellschaftlichen Teilhabe entstehen, welche alten Formen verschwinden werden, ist ungewiss. Die damit verbundenen Risiken für die demokratische Gesellschaft sind umstritten. Zugleich mehren sich die Möglichkeiten exponentiell, Wissen zu erzeugen, zu vermitteln und zu speichern. Die Künste stehen mitten in diesem dynamischen Wandel und kreieren selbst neue Formen und Techniken der Gestaltung, der Wahrnehmung und Reflexion.

Der mit der digitalen Revolution verbundene tief greifende kulturelle Wandel löst große Hoffnungen und Ängste aus. Optimisten hoffen auf einen Zugewinn an Freiheit und politischer Beteiligung, Skeptiker warnen vor dem „gläsernen Menschen“, „digitaler Überforderung“ und einer „Auswanderung“ ins Internet. Die einen preisen Kooperation, Kollaboration, „Crowdsourcing“ und Enthierarchisierung als neue Prinzipien der Partizipations- und Wissensgesellschaft an, die anderen zweifeln an der „Weisheit der Massen“, ihrer „Schwarm-Intelligenz“ und der Qualität der Amateure. Sie beharren auf der Notwendigkeit von Professionalität und individueller Verantwortung. Inhalt, Rhetorik und Vehemenz der Auseinandersetzung tragen die Züge eines Kulturkampfes: Grundlegende Codes der modernen Zivilgesellschaften wie Freiheit, Eigentum, Muße, Privatheit und Öffentlichkeit stehen auf dem Prüfstand.

Kulturpolitik und Kulturinstitute sind Teil und Motor des kulturellen Wandels. Die Digitalisierung schafft nicht nur andere Produktionsbedingungen im ‚Betriebssystem Kunst’, sie eröffnet auch neue Formen der Vermittlung kultureller Werke und ihrer medialen Rezeption. Künstlerische Werke und historische Artefakte sind im Zeitalter ihrer digitalen „Reproduzierbarkeit“ oder Abbildungsmöglichkeit an jedem Ort und zu jeder Zeit im Prinzip beliebig oft zu sehen. Digital Rekonstruktionen geben anschauliche Einblicke in längst vergangene Zeiten. Niemals zuvor war es leichter, Zugang zu den Wissensspeichern dieser Welt zu bekommen. Die Vermittlung und Bewahrung des kulturellen Erbes in Bibliotheken, Museen und Archiven stehen vor neuen Herausforderungen und Chancen. Die Medien der analogen Welt - Bücher, Zeitschriften und Zeitungen - verlieren dagegen an Bedeutung.

Der Präsident Kulturpolitischen Gesellschaft, Prof. Dr. Oliver Scheytt, erklärt:

„Auf der Tagesordnung steht die Frage nach einer digitalen und nachhaltigen Kulturpolitik. Es gilt, die digitalen Veränderungen in Gesellschaft, Kultur und Kreativwirtschaft zu analysieren sowie Verluste und Gewinne zu bilanzieren. Alte Strukturen und neue Vorgaben müssen auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden. Wir wollen Ideen dafür entwickeln, wie künftig der Auftrag der kulturellen Vielfalt und kultureller Teilhabe in einer digitalen Kulturgesellschaft erfüllt und gestaltet werden soll. Selten gab es eine größere Herausforderung für die Kulturpolitik.“

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung und Co-Veranstalter des Kongresses, erklärt:

„Das Netz prägt jeden Bereich unseres Lebens - im Positiven wie im Negativen. Jeder ist gleichzeitig Konsument und Produzent. Jeder kann auch senden, initiieren, sich engagieren und einmischen. Für die Kulturpolitik stellt das eine besondere Herausforderung dar. Sie muss sich auf die neuen Rahmenbedingungen einstellen und zugleich eigene Traditionen betonen. Wir möchten fragen, unter welchen Bedingungen Kultur und politische Bildung zu gesellschaftlicher Teilhabe auch im digitalen Raum beitragen können.“

Datum vormerken: 9./10.Juni 2011:

6. Kulturpolitischen Bundeskongress „netz.macht.kultur. Kulturpolitik in der digitalen Gesellschaft“ in Berlin

Mehr Informationen unter www.netz-macht-kultur.de

 

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